Vorsicht: Realsatire!
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Auch
wenn man's kaum glauben mag: die folgenden
Rezensionen sind tatsächlich in dieser Form im
Rahmen der Kulturberichterstattung einer hier besser
ungenannt bleibenden Lokalzeitung erschienen.
Aus
Rücksichtnahme auf die wirklich zu bedauernden
Künstler, die sich sicherlich alle nur
erdenkliche Mühe bei der Ausführung der
hier so überaus kompetent besprochenen
Konzertveranstaltungen gemacht haben, wurden die
Namen der Beteiligten sowie die Aufführungsorte
geschwärzt.
Weiteres
Material dieser Art nimmt der Webmaster zwecks
Erweiterung der Sammlung jederzeit gerne entgegen: [
e-mail
].
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Von Andreas
Mattersteig aus Hannover erreichte mich das
nachfolgende schwelgerische Epos. Vielen Dank
dafür! Man lasse sich den Text auf der Zunge
zergehen ... aber Obacht, alles schaukelt, alles
oszilliert - und so manches rutscht dabei vom
Spieltisch ins Pedal und wieder zurück ...
Aus dem ███████ Feuilleton, ██████ Post vom ██. Mai 2001: Unterwegs nach Emmaus Zwei Freunde marschieren
von Jerusalem in ein rund elf Kilometer entferntes Dorf.
Unterwegs treffen sie jemanden, den sie irgendwie
kennen; allein ihr Gedächtnis lässt sie im
Stich. Später will der vermeintlich Fremde allein
weiterziehen. Da jedoch regt sich bei seinen Begleitern
Widerspruch: "Bleib bei uns, denn es will Abend werden,
und der Tag hat sich geneigt." Lukas 24, 29.
Diesen Satz aus der
Emmaus-Geschichte hat am 9. März 1855 ein junger
Student namens Joseph Rheinberger für
sechsstimmigen Chor a-cappella vertont. Just mit diesem
Werk schickte der ███████ ████chor unter der Leitung von
███ ████ in der █████kirche das Publikum in die Pause.
Man war wie benommen. Wäre am liebsten in stille
Rheinauen geflohen, um das soeben Gehörte erst
einmal zu verdauen. Hinreißend. Mit wieviel
Geschmack hier gesungen wurde, mit wieviel Sinn für
Nebenschauplätze.
Zweifellos: Die
Norddeutschen bilden eine Hochburg anspruchvollen
Chor-Gesangs. Wie da jede Phrase abgerundet wurde, es
war ein Fest. Klänge aus dem Nichts heraus zu
produzieren und sie ansatzlos wieder dahin
zurückzuführen - ganze Chor-Armeen scheitern
daran. Für die etwas mehr als 30-köpfige
Sängergarde aus █████ ist dies offenbar
größte Selbstverständlichkeit. Bereits
mit dem einleitenden Bach - "Singet dem Herrn ein neues
Lied" - legte man die passende Visitenkarte vor.
Punktgenaue Einsätze, tadelloses Legato. Fliegende
Melodie-Übergänge wie bei einem perfekten
Staffellauf.
Zwischen den Chorwerken
spielte ████ ████ an der Orgel. Zunächst zweimal
Bach, "Schmücke dich, o liebe Seele", eine
Choralbearbeitung, und anschließend das
g-moll-Präludium nebst Fuge. Alles fügte sich
fein zusammen: klare Phrasierung, deutlich abgehoben der
cantus firmus im Choral.
Hinterher zwei
Stücke von Jehan Alain, dem viel zu früh
gestorbenen Franzosen. Gerade aus "Litanies" machte ████
ein Wunderwerk der Klangfarben. Die dynamischen
Übergänge waren bestens registriert, es
entstand eine Collage von geheimnisvollen Gottes-Rufen.
Abgründe des Lichts fielen in starre Dunkelheit.
Die Mysterien rutschten gleichsam vom Spieltisch ins
Pedal und wieder zurück. Nie wurden sie greifbar.
Zuletzt sang der
████chor Frank Martins Messe für zwei Chöre.
████ dirigierte mit meist kleinen Gesten, doch mit einer
Präzision, daß alle Signale prompt vom Chor
umgesetzt wurden. Im Kyrie schoben sich die beiden
Teil-Chöre ihre imitatorischen Stimm-Einsätze
gegenseitig zu. Alles schaukelte, alles oszillierte. Man
fragte nicht: Wie machen die das? Man horchte
bloß. Ob die Cluster-Effekte im Gloria oder die
stets an der Grenze zur Atonalität schaukelnden
Tonrückungen im Benedictus, sämtliche
Kühnheiten wurden in ein organisches Ganzes
integriert.
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Update: 12.09.2011 © Copyright 1998-2011 by Wolfgang Abshoff, Bocholt/Germany, www.abshoffs.de